Es ist 7:40 Uhr. Ihr seid spät dran. Erst kippt der Kakao über den Frühstückstisch, dann will dein Kind an der Tür die Schuhe unbedingt selbst anziehen. Du hörst dich schreien, viel lauter als du wolltest. Zehn Minuten später sitzt du am Fahrrad und fragst dich, wer diese Frau gerade war.
Wenn dir das vor allem in den Tagen vor deiner Periode passiert, dann hat das einen Grund. Und der liegt in deinen Hormonen, weit weg von deinem Charakter.
Was in der zweiten Zyklushälfte passiert
Nach dem Eisprung bildet dein Körper Progesteron. Daraus entsteht ein Stoff namens Allopregnanolon, der im Gehirn an denselben Stellen andockt wie GABA, dein wichtigster beruhigender Botenstoff.
Vereinfacht gesagt: Progesteron ist dein inneres Polster. Es macht dich gelassener, lässt dich tiefer schlafen und sorgt dafür, dass ein umgekippter Kakao einfach ein umgekippter Kakao bleibt.
In den letzten Tagen vor der Periode fällt Progesteron steil ab. Das Polster wird dünner. Die Forschung geht heute davon aus, dass manche Frauen besonders empfindlich auf dieses Auf und Ab reagieren. Das erklärt, warum die eine davon wenig merkt und die andere sich selbst kaum wiedererkennt.
Warum es Mamas besonders trifft
Im Mama-Alltag kommen drei Dinge dazu, die das Polster zusätzlich dünn machen:
- Wenig Schlaf. Wer seit Monaten zu kurz schläft, startet schon mit kurzer Zündschnur in den Tag.
- Dauerstress. Anhaltender Stress kann deinen Eisprung verschieben oder ausfallen lassen. Ohne Eisprung bildet dein Körper kaum Progesteron.
- Blutzucker-Achterbahn. Kaffee statt Frühstück, dazwischen die Reste vom Kinderteller. Fällt dein Blutzucker ab, schüttet dein Körper Stresshormone aus, und du bist schneller gereizt.
Deine Wut ist also ein Signal. Dein Körper zeigt dir, dass seine Reserven gerade knapp sind.
Was dir in diesen Tagen hilft
1. Kenne deine Tage. Beobachte deinen Zyklus und markiere dir die Woche vor deiner Periode im Kalender. Allein das Wissen „Ah, deshalb“ nimmt viel Druck heraus.
2. Frühstücke mit Eiweiß. Eier, Topfen oder Joghurt mit Nüssen halten deinen Blutzucker stabil und dich bis Mittag ruhiger.
3. Plane in dieser Woche weniger. Ein Termin weniger, ein einfaches Abendessen, früher ins Bett. Du gibst deinem Körper damit genau das, was er gerade braucht.
4. Gönn deinem Nervensystem kleine Pausen. Dreimal am Tag eine Minute, in der du länger ausatmest als einatmest. Das geht auch am Klo, in der U-Bahn oder beim Fahrradabsperren vor dem Kindergarten.
5. Sprich es aus. Sag deiner Familie: „Ich bin heute schneller gereizt. Das kommt von meinem Körper, ihr habt alles richtig gemacht.“ Das entlastet dich und deine Kinder.
Und wenn es doch passiert ist
Dann atme durch und geh auf dein Kind zu. Ein ehrliches „Es tut mir leid, dass ich so laut war“ reicht. Dein Kind lernt dabei etwas Wertvolles: dass Gefühle groß sein dürfen und dass man danach wieder zueinanderfindet.
Du bist eine gute Mama. Auch an Tag 26.
Wann du dir Unterstützung holen solltest
Wenn die Tage vor deiner Periode dich so stark belasten, dass dein Alltag, deine Beziehung oder deine Arbeit darunter leiden, oder wenn dunkle Gedanken dazukommen, sprich bitte mit deiner Gynäkologin oder deinem Hausarzt. Es gibt eine ausgeprägte Form von PMS, die PMDS heißt und für die es medizinische Hilfe gibt.
Dein nächster Schritt
Du möchtest wissen, was dein Körper in welcher Zyklusphase braucht? Meine Zykluskarten zeigen dir alle vier Phasen auf einen Blick, zum Aufhängen am Kühlschrank.

